Freifunk lebt von Offenheit, Vertrauen und gemeinsamer Verantwortung. Genau deshalb ist es wichtig, daß die Regeln für die Teilnahme an unserem Netz verständlich, transparent und für alle gleich nachvollziehbar sind.

Wir haben unsere Nutzungsbedingungen daher überarbeitet bzw. ausdrücklicher formuliert; unter anderem heißt die Seite nun klar »Nutzungsbedingungen« und nicht mehr »Pico Peering Agreement«, was kaum jemand vertand:

Nutzungsbedingungen

Die Änderungen bedeuten nicht, daß Freifunk weniger offen wird. Im Gegenteil: Sie sollen sicherstellen, daß das Netz auch in Zukunft zuverlässig, fair und gemeinschaftlich betrieben werden kann.

Freifunk ist ein freies Netz — aber kein regelloser Hotspot-Dienst

Freifunk ist mehr als „kostenloses WLAN“. Es ist ein freies Bürgernetz, das von vielen Menschen, Communities und Vereinen gemeinsam getragen wird. Damit das funktioniert, müssen alle Beteiligten bestimmte Grundsätze einhalten: fairer Umgang mit gemeinsamen Ressourcen, offene Kommunikation, keine rechtswidrige Nutzung und ein technischer Betrieb, der für die Community nachvollziehbar bleibt.

Das Pico Peering Agreement beschreibt diese Grundidee schon lange: Wer Teil eines freien Netzes ist, stellt Transit bereit, verändert fremde Daten nicht und veröffentlicht die für die Verbindung notwendigen Informationen.

Unsere lokalen Ergänzungen machen nun deutlicher, was das für die Teilnahme am Freifunk-Netz konkret bedeutet.

Warum wir jetzt deutlicher werden

Anlaß für die klarere Formulierung ist eine konkrete technische Situation: Eine kommunale IT hat mehrere Standorte stillschweigend hinter einem ihrer Freifunk-Offloader im Clientnetz gebridged.

Das führt für uns als Betreiber der Infrastruktur zu mehreren erheblichen Problemen:

  • Wir wissen nicht zuverlässig, wie viele Standorte tatsächlich über diesen einen Offloader angebunden sind.
  • Wir können die Nutzung nicht pro Standort erkennen oder bewerten.
  • Last, Störungen und Fehlverhalten lassen sich nicht sauber einem Standort zuordnen.
  • Mindestens teilweise ist IPv6 an diesen Standorten nicht funktional.
  • Die technische Struktur ist für die Freifunk-Infrastruktur nicht mehr erkenntlich.

Das ist nicht nur eine interne Verwaltungsfrage. Transparenz ist eine Voraussetzung dafür, ein gemeinschaftlich betriebenes Netz stabil zu halten, Fehler zu finden und faire Nutzung sicherzustellen.

Warum Bridging über das Clientnetz problematisch ist

Die Client-Schnittstelle ist dafür gedacht, daß Endgeräte das Freifunk-Netz nutzen: Smartphones, Laptops, Tablets und ähnliche Geräte. Sie ist nicht dafür gedacht, mehrere entfernte Standorte unsichtbar hinter einem einzelnen Offloader zusammenzufassen.

Wenn mehrere Standorte über das Clientnetz gebridged werden, verschwimmt die Grenze zwischen den Standorten. Für die Infrastruktur sieht es dann so aus, als kämen viele Clients aus einem zusammenhängenden Netzbereich, obwohl sie tatsächlich an verschiedenen Orten hängen. Damit verlieren wir wichtige Informationen, die für Betrieb, Fehlersuche und faire Ressourcenverteilung notwendig sind.

Freifunk ist ausdrücklich ein Mesh-Netz. Wenn mehrere Standorte miteinander verbunden werden, muß das über die dafür vorgesehene Mesh-Schnittstelle erfolgen, also über das Batman-Protokoll. Dafür braucht es pro Standort mindestens einen geeigneten Knoten mit 4830.org-Firmware.

IPv4 und IPv6 gehören beide dazu

Ein weiterer Punkt ist die vollständige Erreichbarkeit im Netz. Wenn Freifunk-WLAN nicht direkt über Knoten mit 4830.org-Firmware realisiert wird (wo die Firmware dies umsetzt), muß sichergestellt sein, daß Clients sowohl IPv4- als auch IPv6-Adressen erhalten.

IPv6 ist im Freifunk-Netz kein optionales Extra. Es ist Teil des Netzes und für viele Anwendungen, Diagnosemöglichkeiten und zukünftige Entwicklungen wichtig. Wenn IPv6 an angebundenen Standorten nicht funktioniert, ist der angebotene Zugang technisch unvollständig.

Was sich konkret ändert

Wir formulieren daher klarer:

  • Freifunk darf nicht als bloßer Hotspot-Dienst verstanden oder betrieben werden.
  • Mehrere Standorte dürfen nicht über die Client-Schnittstelle eines Offloaders gebridged werden.
  • Werden mehrere Standorte verbunden, muß dies über die Mesh-Schnittstelle erfolgen.
  • Pro Standort muß mindestens ein geeigneter Knoten mit 4830.org-Firmware vorhanden sein und Meshing per WLAN zur Netzerweiterung anbieten.
  • Clients müssen sowohl IPv4 als auch IPv6 erhalten.
  • Die technische Struktur muß für die Community nachvollziehbar und betreibbar bleiben.

Es geht nicht um Bürokratie, sondern um Verantwortung

Unsere Infrastruktur wird ehrenamtlich betrieben und steht vielen Menschen offen. Damit das dauerhaft funktionieren kann, brauchen wir faire Rahmenbedingungen.

Wenn große oder institutionelle Installationen das Freifunk-Netz nutzen, ist das ausdrücklich willkommen — aber die Umsetzung muß so ausgeführt sein, daß sie zum Charakter und zur Technik des Freifunk-Netzes paßt. Dazu gehören Transparenz, funktionierendes IPv4 und IPv6, nachvollziehbare Standorte und die Nutzung der vorgesehenen Mesh-Strukturen.

Die klarere Formulierung der Nutzungsbedingungen ist deshalb keine Abkehr von Offenheit. Sie ist eine Voraussetzung dafür, Offenheit zuverlässig anbieten zu können.

Die aktuellen Nutzungsbedingungen

Die aktuellen Nutzungsbedingungen findet Ihr hier.

Wir freuen uns über Rückfragen, Hinweise und konstruktive Diskussionen. Unser Ziel bleibt ein offenes, stabiles und faires Freifunk-Netz für alle.

Nutzungsbedingungen aktualisiert