Ein paar Gedanken nach dem Besuch des CCH Freifunk Messestandes und einigen Monaten GT Freifunk. Meines Erachtens verkauft sich Freifunk insgesamt „unter Wert“.

Beoachtung: während ein Freifunk Router für Privat- und Geschäftskunden gleich viel kostet, geben Firmen für dessen Installation das rund 200-fache an Dienstleistung aus. Damit kann keine Weiterentwicklung von Gluon oder ehrenamtliches Engagement bezahlt werden. Im vergleichbaren Segment von Linux- und Open Source wird durch Schulung und Konfiguration an die Entwickler gezahlt. Hier fehlt mir für Freifunk ein langfristiges Konzept mit/als strategischer Partner von Unternehmen.

Den Fokus anfänglich auf vernetzte Haushalte zu setzen ist sicherlich gut, hat aber keinen Ausblick. Die Hoffnung auf öffentliche Einrichtungen zu legen, funktioniert aufgrund Kameralistik ohne strategische Investionsrechnung und fehlender Partei-politischer Festlegung nicht. Einzig den Handwerks- und Industrie-Verband, sowie die IHK samt ihrer Mitglieder zu mobilisieren ist ein (lohnenswertes) Ziel. Staatliche Institutionen, die auf Gemeinwohl basieren, sind nicht vorrangig am Breitband-Ausbau interessiert oder verweisen auf semi-staatliche Partner, wie die Telekom oder die Stadtwerke.

Wenn Freifunk „ein Geschäft nach Routerkauf“ haben möchte, muss ebenfalls darauf geachtet werden, dass „gestandene Fachleute“ die Regionalkreise leiten. Ein Schüler oder Student ist m.E. wenig überzeugend.

Wenn die grössten Wachstumsraten der Installationen in der Geschäftswelt liegen, so muss das Router-Angebot mitwachsen. Stichworte: POE basierte Router, Aussenbereichs-Funkrouter und Freifunk Router-Wartung….

Von „change the world“ zu „shareholder value“ sind alle Technologie-Startups, wie bspw Apple gegangen. Dieser Film zeigt: Technologie ohne geniales Marketing überlässt nicht den Innovatoren den aufgebauten Erfolg.

Die Dokumentation veranschaulicht die Hippie-Version: Bereitstellung für Freunde und später für den Weltmarkt. Low cost als Mehrwert-Philosphie anzubieten. Für mich hatte der Apple I einen ähnlichen Stand, wie die heutigen Freifunk TP-Link Router. Da gibt es noch ein Delta zu Cisco oder Lancom….

Fazit: Ich glaube, dass die Freifunk Community 2015 ein eigenständiges Angebot für Firmen (Hardware, Service, Wartung) und Mehrwert-/Vorteils-Flyer erstellen sollte. Mit einem solchen Spektrum lässt sich die technologische Weiterentwicklung finanzieren, genauso wie Marketing und Workshops. Alternativ könnte die Freifunk Gemeinschaft auch eine Stiftung gründen – zentral statt regional als Folge. Dann hätten Nerds auch eine Mitgift – siehe Anfang...

Anmerkung der Redaktion: Dies ist ein Gastbeitrag, der aus solcher per Kategorie auch ausgewiesen war und ist. Aufgrund der Kommentare werden wir intern beratschlagen, wie wir dies zukünftig besser herausstellen. Eine Idee ist ein Kasten »Über den Autor« an geeigneter Stelle, hier stellen die generischen Möglichkeiten mittels (WordPress-) Themes allerdings eine Hürde dar. Wir möchten aber auch weiterhin Gastbeiträge veröffentlichen, denn ein Blog lebt unserer Ansicht auch von unterschiedlichen Meinungen und Sichtweisen.

Nerds ohne Mitgift

4 Gedanken zu „Nerds ohne Mitgift

  • 12. Januar 2015 um 19:27
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    Nabend André,
    es stimmt, die Freifunk Charta hat nicht die Aufgabe „eine Familie zu ernähren“ oder anders: kommerzielle Aufschläge zu kalkulieren. Das meine ich, wenn ich feststelle, dass Ihr Euch „unter Wert“ verkauft.

    Eigentlich sollte ich, aus Konsumenten und Unternehmenssicht, mich freuen. Es gibt ja keine Möglichkeit, der Community etwas zurück zu geben.

    Auf der anderen Seite haben wir auf dem 31C3 an Eurem Stand darüber diskutiert, welche schnelleren OpenWRT fähigen Router im Angebot sind. Ergebnis: TP-Link 4900 u.a. abgekündigt, ohne Nachfolger; auch Acer oder Huawei bieten nichts. Im Firmenumfeld ist das tödlich – ohne Update-Pfad und ohne Wartung. Und für Experimentier-Hardware, ausprobieren, testen – aus den eigenen Reihen – fehlen Tagessätze. Wie lange sind die Community Developer bereit stets nur Geld aufzuwenden, statt später auch wieder einzunehmen?

    Und die Zielgruppe öffentliche Einrichtungen, wie Schulen – erreichen die Vorteils-Flyer nicht. Eine Kameralistik, also simple Eingabe-Ausgaben-Rechnung denkt nicht in strategischen Investitionen. So kommen immer mal wieder euphorische Pädagoge zu unseren Freifunk-Treffen. Nur helfen, können wir nicht. Ausser: verschenken.

    Leider habe ich aktuell keine Pauschal-Lösung für dieses Dilemma. Ich glaube jedoch, dass es gelöst werden sollte….
    Gruss!

    • 13. Januar 2015 um 22:20
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      Irgendwie stellst Du Freifunk in einem seltsamen Licht dar. Als ob wir nicht erfolgreich wären … Das sind wir aber!

      Es wird bewusst keiner für Arbeitszeit bezahlt, um die freifwillige Arbeit nicht zu konterkarieren. Es geht ganz bewußt nicht um Kommerz und eben genau nicht um eine Konsumentenhaltung.

      Wir sind eine Initiative, ein Gemeinschaftsnetz, gesellschaftliches & technologisches Experiment, soziale Utopie, technikbegeisterte Enthusiasten … aber wir sind keine Firma, wollten es auch nie werden und uns auch nicht an oder mit Unternehmen messen! Du bist nicht der erste und leider wohl auch nicht der letzte Businesstyp, der uns erzählen will, wie das alles richtig geht … mit wem hatten die FON Menschen wohl geredet, bevor sie ihr Ding gestartet haben? Kannst Du Dir nicht vorstellen, dass Mesnchen/Prozesse/Dinge auch anders funktionieren können? Du hast Dich offenbar nicht mit der Vision und den Grundsätzen beschäftigt … oder kannst Dich nicht damit abfinden?

      Was mich aber wirklich ärgert ist Deine Aussage, dass wir öffentliche Einrichtungen nicht erreichen würden. Das stimmt schlicht nicht!!

  • 14. Januar 2015 um 08:52
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    Hallo Monic,
    ich finde es gut, dass es Ehrenämter und Eure Grundsätze gibt und gebe zu, dass ich früher auch daran geglaubt haben, damit die Welt „aus den Angeln“ heben zu können.

    Heute gehöre ich zu jener Gruppe, die sehr wohl die Freifunk Grundsätze verstehen, jedoch die Lebens-Wirklichkeit u.a. in Politik und öffentlicher Verwaltung anders erleben. Wenn Ihr an Euren Zielen gemessen erfolgreich seid, so ist ja alles gut.

    Schönen Tag noch!

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